Darf man Thunfisch noch essen?

Der MSC Thunfisch-Bericht 2019

Wir lieben Thunfisch - so wie viele Menschen in fast allen Ländern der Welt. Wir belegen unsere Pizza mit ihm, genießen ihn als Brotaufstrich oder im Salat. Auch gebraten als Steak oder frisch auf Sushi steht er auf unserem Speiseplan.

Thunfisch als Steak, als Sushi, im Salat

Aber immer mehr Menschen fragen sich: Ist es in Ordnung, Thunfisch zu essen? 

Die Antwort darauf hängt von vielen Faktoren ab. Auf den folgenden Seiten wollen wir Dir zeigen, welche Thunfischarten es gibt, woher sie kommen und wie man sie fängt, welche Probleme und Risiken damit verbunden sind, was der MSC tut, um die Thunfisch-Fischerei nachhaltig zu machen, und wie nachhaltig das Thunfischangebot deutscher Supermärkte ist.

Viel Freude und Wissensgewinn beim Lesen wünscht Dir der MSC (Marine Stewardship Council)

Blauflossen-Thunfisch: Bestände sind gefährdet
Die Fischerei Echebastar fängt Thunfisch nachhaltig
Thunfisch-Konserven in Deutschland enthalten meistens Echten Bonito



Blaue Flossen, rotes Gold 

Der Blauflossenthun ist so groß, so schnell und so teuer wie ein Kleinwagen – doch viele Bestände sind stark überfischt. Lerne den Blauflossenthun und seine Kollegen kennen – vom Großaugenthun bis zum Echten Bonito.



Lichtblicke

Thunfischfischerei ist ein komplexes Thema, Risiken für die Bestände gibt es viele: von Überfischung über Beifang bis zu illegaler Fischerei. Doch manche Fischereien haben es geschafft, ihre Fangmethoden nachhaltig umzustellen. Wie der MSC dabei hilft und was das für Thunfische, Delfine, Fischer und Ozeane bedeutet, erzählen wir Dir in 5 Beispielen.



Im Namen der Dose

In Deutschland greifen die Verbraucher vor allem zu Thunfisch in Dosen. Da steckt zu 95 Prozent Echter Bonito drin. Du fragst Dich, wie nachhaltig das ist? Kommt ganz darauf an, woher der Thunfisch stammt und wie er gefangen wurde. Wir zeigen auf, welche Marken und Lebensmitteleinzelhändler den nachhaltigsten Thunfisch anbieten.

Und das sagt Ihr zum Thema Thunfisch:

Befragung von Passanten an den Landungsbrücken in Hamburg

Wer ist eigentlich dieser Thunfisch?

„Den“ Thunfisch gibt es nicht. 15 verschiedene Thunfischarten schwimmen in den Ozeanen der Erde, jede in mehreren Beständen. Auf sieben davon entfällt das Gros des kommerziellen Thunfischfangs.

Wir stellen sie vor und zeigen, welche Bestände überfischt sind und welche nicht.

Die Bestände des Blauflossen-Thunfischs sind gefährdet
Großaugen-Thunfisch: Bestand nicht überall bedroht
Gelbflossen-Thunfisch: Viele Bestände sind gefährdet
Weißer Thunfisch ist nicht vom Aussterben bedroht
Echter Bonito: Bestand ist gesund

Blauflossenthun (Drei Arten):
Atlantischer Blauflossenthun oder Roter Thun
Thunnus thynnus;
Pazifischer Blauflossenthun Thunnus orientalis;
Südlicher Blauflossenthun Thunnus maccoyi

  • Maximalgewicht: 700 kg
  • Besondere Kennzeichen: Der Riese unter den Thunfischen. Wächst aber sehr langsam und vermehrt sich erst in hohem Alter
  • Superpower: schnell wie ein Kleinwagen und manchmal auch ebenso groß
  • Verwendung: Sashimi
  • Anlandepreis*: 10,44 bis 14,74 €/kg




Großaugenthun
Thunnus obesus

  • Maximalgewicht: 210 kg
  • Besondere Kennzeichen: große Augen
  • Superpower: Vertikalwanderer: überwindet im Tagesverlauf Tiefenunterschiede bis zu 500 Meter. Die Fettschicht, die er gegen Kälte bildet, hält sein Fleisch saftig.
  • Verwendung: Sashimi, „weißes Rindfleisch“
  • Anlandepreis*: 3,90 €/kg




Gelbflossenthun
Thunnus albacares

  • Maximalgewicht: 175 kg
  • Besondere Kennzeichen: lange, leuchtend gelbe Rücken- und Afterflossen
  • Superpower: Versteht sich super mit Delfinen: Im Ostpazifik schwimmen Thunfischschwärme gern etwa 100 Meter unterhalb von Delfinschulen.
  • Verwendung: frisch und in Dosen
  • Anlandepreis*: 2,12 €/kg 




Weißer Thun
Thunnus alalunga

  • Maximalgewicht: 60 kg
  • Besondere Kennzeichen: lange Brustflossen
  • Superpower: Frisst vor allem Tintenfische
  • Verwendung: frisch und in Dosen
  • Anlandepreis*: 2,37 €/kg




Echter Bonito
Katsuwonus pelamis

  • Maximalgewicht: 35 kg
  • Besondere Kennzeichen: Zählt nicht zur Gattung der eigentlichen Thunfische, sondern ist eine verwandte Art. Deutlich kleiner als seine Thunfisch-Kollegen
  • Superpower: Hat die höchste Reproduktionsrate und die größten Bestände aller Thunfischarten
  • Verwendung: in Dosen
  • Anlandepreis*: 1,05 €/kg

* Erstverkaufspreis ab Fischerei. Nicht zu verwechseln mit dem Endverbraucherpreis - der ist um ein Vielfaches höher. Die hier genannten Zahlen sind die durchschnittlichen Anlandepreise des Jahres 2014.

Ein Blick in die Regale

Wie sieht das Thunfischangebot in deutschen Supermärkten aus – und wie nachhaltig ist es?

Foto: Rene Van Den Berg | Dreamstime.com | 91954610

Foto: Rene Van Den Berg | Dreamstime.com | 91954610

Wieviel Thunfisch essen wir?

Thunfisch ist der viertbeliebteste Fisch der deutschen Verbraucher – nach Lachs, Alaska-Seelachs und Hering. Knapp 1 kg Thunfisch werden in Deutschland jährlich pro Kopf gegessen - 77.400 Tonnen sind es insgesamt. Tendenz steigend.


Zwischen Supermarkt und Sushi-Shop:
Welches Thunfischprodukt ist das beliebteste?
Und welche Thunfischart steckt wo drin?

20 Prozent des nach Deutschland importierten Thunfisches landen in Restaurants, Sushi-Läden und Fischfachgeschäften. 80 Prozent hingegen werden im Supermarkt verkauft.

Am liebsten essen die Menschen in Deutschland den Thunfisch aus der Konserve:  2018 kamen ganze 71 Prozent der gesamten verkauften Thunfischmenge im Lebensmitteleinzelhandel aus der Dose. Tiefkühl-Steaks oder Frischfisch in Selbstbedienung sind dagegen kaum von Bedeutung. Allerdings hat sich der Absatz von frischem Thunfisch 2018 mehr als verdoppelt. 

Animiertes Gif Anteil von Echtem Bonito in Dosenprodukten - MSC Thunfischbericht
Infografik Prozent verschiedener Thunfischarten in Thunfischprodukten - MSC Thunfischbericht


In Deutschland ist der Echte Bonito die meistverzehrte Thunfischart - er findet sich in fast allen Konservenprodukten und Pizzen.

Gelbflossenthunfisch ist im Tiefkühl- und Frischfisch-Segment der Supermärkte gelegentlich zu finden - spielt aber darüber hinaus vor allem in der Gastronomie eine wichtige Rolle.

So wie im Übrigen auch der Weiße Thun. Andere Thunfischarten werden in Deutschland so gut wie gar nicht gegessen.

Wie nachhaltig ist das Thunfischangebot in Deutschland?

348 Thunfischprodukte hat das Marktforschungsinstitut DTO Research im März 2019 in den Regalen, Kühlschränken und Tiefkühltruhen des deutschen Einzelhandels gefunden. 130 davon aus nachhaltiger, MSC-zertifizierter Fischerei.

Drei Markenhersteller – Followfood, Hawesta und FishTales – beziehen jeweils 100 Prozent ihrer Thunfischprodukte aus nachhaltiger Fischerei mit MSC-Siegel. Bei den Thunfischprodukten anderer Markenhersteller hingegen sieht es deutlich schlechter aus:

Anzahl MSC-zertifizierter Thunfischprodukte im Sortiment von Markenherstellern (Deutschland)

Quelle: DTO Research, Januar 2019

Quelle: DTO Research, Januar 2019

Bei den Einzelhändlern liegt REWE in Sachen Thunfisch-Nachhaltigkeit vorn – mit einem Anteil nachhaltiger, MSC-zertifizierter Produkte von immerhin 77 Prozent. Bei einigen anderen Supermärkten und Discountern ist die Situation deutlich kritischer:

Anzahl MSC-zertifizierter Produkte im Sortiment von Lebensmitteleinzelhändlern (Deutschland)

Quelle: DTO Research, Januar 2019

Quelle: DTO Research, Januar 2019

Stapel von gefangenen Thunfischen (echter Bonito)
Echter Bonito auf blauem Markttisch mit Schwanzflossen zur Kamera - MSC Thunfischbericht


Angel, Leine, Netz


Welche Fangmethode die Fischer einsetzen, hängt von der Thunfischart ab, von ihrer Größe, von ihrem Verhalten im Schwarm, von der Meeresregion und nicht zuletzt von ökonomischen Überlegungen.


Angelruten
8 % der weltweiten Fänge

Methode:

  • Fische werden in schneller Folge einzeln aus dem Wasser geangelt
  • geeignet für den Fang in geringerer Wassertiefe 
  • meist auf küstennahe Regionen beschränkt
  • arbeits- und treibstoffintensiv; hoher Bedarf an lebendigen Köderfischen

Zielarten: v.a. Echter Bonito, Gelbflossenthun

Beifangrisiko: Gering, kaum unerwünschter Beifang anderer Arten



Langleinen
12 % der weltweiten Fänge

Methode:

  • kilometerlange Hauptleine mit vielen Köderhaken; Leine wird hinter einem Boot hergezogen
  • Einsatz in Wassertiefen von 100 bis 250 Metern

Zielarten: vor allem Weißer Thun, Großaugen- und Gelbflossenthun

Beifangrisiko: relativ hoch; Haie und andere Fischarten, Schildkröten, Seevögel



Ringwaden
65 % der weltweiten Fänge

Methode:

  • Fangboot legt ein bis zu 2 km langes Netz ringförmig um einen Thunfischschwarm
  • geeignet für den Fang in geringerer Wassertiefe
  • größere Fangmengen bei geringerer Arbeitsintensität

Zielarten: hauptsächlich Echter Bonito, Gelbflossenthun

Beifangrisiko: gering bei freischwimmenden Thunfischgruppen, hoch beim Einsatz von „Fischsammlern“ (FADs), Delfine als Beifangrisiko beim Fang von Gelbflossenthunfisch vor der Westküste Mittelamerikas

Thunfisch-Fangmethode: Angelruten
Thunfisch-Fangmethode: Langleinen
Thunfisch-Fangmethode: Ringwaden

Was sind eigentlich FADs?

Thunfischschwärme schwimmen schnell und wandern über tausende Kilometer. Sie im offenen Meer aufzuspüren ist schwierig, langwierig und treibstoffintensiv. Darum machen sich Fischer seit langem eine natürliche Eigenart des Thunfischs zunutze: Sie halten Ausschau nach Objekten, etwa Baumstämmen, die an der Wasseroberfläche schwimmen. Denn Thunfischschwärme sammeln sich gern darunter.

Seit den 1980er Jahren setzen Thunfischfischer künstliche „Fischsammler“, sogenannte FADs (fish aggregating devices), im Meer aus: floßähnliche Konstruktionen, mal fest verankert, mal im Wasser treibend. Da diese FADs die Suche nach dem Thunfisch erleichtern, haben sie sich als Ergänzung beim Thunfischfang mittlerweile fest etabliert: 40 Prozent des weltweiten Thunfischfangs werden heute unter Zuhilfenahme von FADs gefangen (ISSF Report 2019), v.a.in der Ringwaden- und der Angelrutenfischerei.

Thunfisch-Fangmethode Fischsammler (FAD)

Thunfische sammeln sich gern unter Objekten, die an der Wasseroberfläche treiben. FADs machen sich dieses Verhalten zunutze.

Thunfische sammeln sich gern unter Objekten, die an der Wasseroberfläche treiben. FADs machen sich dieses Verhalten zunutze.

FADs: Die Sache mit dem Beifang

Unter den FADs sammeln sich außer Thunfischen auch andere Fische und Meerestiere, zum Beispiel Schildkröten oder Seidenhaie. Oft geraten sie als Beifang in die Netze oder verfangen sich Leinen oder Netzteilen, die unter Wasser an den FADs befestigt sind. Deshalb stehen FADs weltweit in der Kritik. Einige Umweltorganisationen wollen sie grundsätzlich abschaffen.

Doch Fischsammler erleichtern vielen Fischern die harte Arbeit und sind daher heute so weit verbreitet, dass ihre Abschaffung schlicht nicht realistisch ist. Wir setzen uns jedoch gemeinsam mit Wissenschaftlern und anderen NGOs dafür ein, ihre Zahl zu reduzieren und ihre Qualität und Nutzungsweise flächendeckend zu verbessern. Zum Beispiel durch Verwendung "nicht-verwickelnder FADs", bei denen sich Meerestiere nicht in herabhängenden Netzteilen verheddern können, oder biologisch abbaubarer „Öko-FADs“, die sich im Salzwasser nach einiger Zeit zersetzen.

Ist FAD-frei drin, wo FAD-frei draufsteht?

Fischereien fangen Thunfisch mit verschiedenen Methoden

Die meisten Ringwadenfischereien werfen ihre Netze auf ein- und derselben Fangfahrt sowohl um freischwimmende Thunfische als auch um FADs aus. Um sicherzustellen, dass ein Produkt tatsächlich ohne FADs gefangen wurde, muss die Trennung der Fänge durch unabhängige Beobachter und Rückverfolgbarkeitssysteme garantiert werden – an Bord, aber auch über die gesamte Lieferkette, vom Hafen bis zum Supermarktregal. Das MSC-Programm schreibt solche Rückverfolgbarkeitssysteme vor.

Trennung des Thunfisch-Fangs nach Fangmethode

MSC-zertifizierte Fischereien müssen gefangenen Thunfisch streng nach Fangmethode trennen: mit FAD-Einsatz oder FAD-frei.

MSC-zertifizierte Fischereien müssen gefangenen Thunfisch streng nach Fangmethode trennen: mit FAD-Einsatz oder FAD-frei.


Fischsammler kommen in der Thunfisch-Fischerei zum Einsatz
Thunfisch-Fangmethode FAD kann nachhaltig sein
Nachhaltige FADs erhalten Thunfisch-Bestand

Was tun wir, um Thunfischfang nachhaltig zu machen?

Thunfisch kann nachhaltig gefangen werden,
wenn eine Fischerei unsere strengen Kriterien
zu Beständen und Beifang erfüllt .

Das sind unsere wichtigsten Nachhaltigkeitskriterien:

Prinzip 1:
Der Fischbestand ist in gutem Zustand

Prinzip 2:
Das Ökosystem wird geschont (Meeresboden, Beifang)

Prinzip 3:
Das Management ist umsichtig und wirkt

Drei Prinzipien, um Thunfisch-Fang nachhaltig zu machen

Auf unserer Webseite findest Du weitere Informationen zu den drei Prinzipien des MSC-Umweltstandards.

Auf unserer Webseite findest Du weitere Informationen zu den drei Prinzipien des MSC-Umweltstandards.


Aktuell sind 41 Thunfischfischereien nach dem MSC-Umweltstandard zertifiziert.
Sie landen zusammen etwa 22 Prozent der globalen Thunfischfangmenge an.


Das kann und darf aber nur der Anfang sein.

Der MSC hat den Anspruch, die globale Fischerei insgesamt in nachhaltigere Bahnen zu lenken. Statt nur wenige sehr gute Fischereien auszuzeichnen möchten wir eine Dynamik schaffen, die viele Fischereien weltweit dazu bewegt, sich kontinuierlich zu verbessern.

Die folgenden Beispiele zeigen, wie Fischereien im MSC-Programm sich verbessert haben und weiterhin kontinuierlich verbessern, um strenge Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen und die weltweiten Thunfischbestände für nachfolgende Generationen zu erhalten.

Fünf Beispiele für nachhaltige Thunfisch-Fischerei mit MSC

Ein Beispiel gegen Überfischung:
der Rote Thun im Mittelmeer

Der atlantische Blauflossenthunfisch – wegen seines dunkelroten Fleisches auch als „Roter Thunfisch“ bekannt – ist ein begehrter, teurer und bis vor kurzem bedrohter Sushi-Fisch.

Dank eines Plans der zuständigen Thunfischkommission ICCAT, der die Fangquoten drastisch reduziert und intensive Kontrollen für sämtliche Fänge eingeführt hat. Der Bestand konnte sich langsam erholen.

Auch die Fischereien der Region ziehen mit: Zwei Fischereien im Ostatlantik unterziehen sich zurzeit freiwillig unseren Nachhaltigkeitsprüfungen.

Bei Erfolg wären sie die ersten, die ein MSC-Zertifikat für Blauflossenthunfisch erhalten – und könnten so mithelfen, „ihren“ Bestand langfristig zu bewahren.


Ein Beispiel für transnationale Regeln: die Malediven

2012 erhielten die Fischer der Malediven das MSC-Zertifikat für ihre nachhaltige Angelrutenfischerei auf Echten Bonito. Bedingung: Innerhalb von fünf Jahren musste eine länderübergreifende Befischungsstrategie für den Echten Bonito im Indischen Ozean stehen – mit klaren Regeln.

Jahrelang verhandelte die Fischerei mit den anderen Mitgliedern der Thunfischkommission für den Indischen Ozean (IOTC) – darunter waren Schwergewichte wie China, Japan, Indien, Indonesien und die EU.

2016 verabschiedete die IOTC Bewirtschaftungsregelungen (HCRs) für den Echten Bonito – ein Beispiel dafür, wie das MSC-Siegel Fischereien motivieren und Verbesserungen für die Meere vorantreiben kann. .

Erfahre mehr über die Thunfischfischerei auf den Malediven in unserer Fischereigeschichte.



Ein Beispiel für nachhaltige FAD-Fischerei: Echebastar

Die Echebastar Fischerei auf Echten Bonito im Indischen Ozean ist weltweit die einzige Ringwadenfischerei, die mit freischwimmenden Fischsammlern (FADs) arbeitet und trotzdem die hohen Nachhaltigkeitsanforderungen des MSC-Umweltstandards erfüllt.

Vor ihrer Zertifizierung im Jahr 2018 hat sie unter anderem die Anzahl der eingesetzten FADs von bis dato unbegrenzt auf maximal 350 reduziert, sämtliche FADs auf "nicht verwickelnde Modelle" umgestellt und ein für alle Fischer verbindliches Handbuch zum umweltverträglichen Einsatz von FADs erstellt.

So konnte die Echebastar Fischerei ihren Beifang deutlich senken und eine wichtige, weltweite Vorreiterrolle in der nachhaltigen Nutzung von FADs einnehmen. Die Arbeit der Fischer wird von unabhängigen Beobachtern kontrolliert, die jede einzelne Fangfahrt begleiten.




Ein Beispiel für nachhaltige Langleinen-Fischerei: China

Anfang 2019 erhielten drei chinesische Fischereien das MSC-Zertifikat für ihre Langleinenfischerei auf Großaugenthun in den Gewässern Mikronesiens.

Dafür arbeiteten sie mit dem renommierten Fischereiwissenschaftler und Beifang-Experten Eric Gilman zusammen.

Die Fischer setzen bei ihren Langleinen nun Rundhaken ein, die von Schildkröten oder Meeressäugern nicht verschluckt werden können.

Beigefangene Haie können die verwendeten Nylonsehnen mit ihren scharfen Zähnen abbeißen und sich befreien.

Das Ergebnis: Der Beifang der drei Fischereien ist drastisch gesunken.


Ein Beispiel für die Reduzierung von Delfinbeifang: Mexiko

Vor der Westküste Mittelamerikas schwimmen Gelbflossenthunfische gemeinsam mit Delfinschulen. Fischereien in dieser Region halten seit jeher Ausschau nach Delfinen, um Thunfische aufzuspüren – mit teils dramatischen Folgen: In manchen Jahren starben in den Ringwadennetzen der Thunfischfischer über 100.000 Delfine.

Seit das Delfinschutzprogramm AIDCP die Thunfischfischerei hier überwacht, ist diese Zahl seit 1985 um mehr als 99 Prozent auf 700 Tiere im Jahr gesunken.

Dazu hat die mexikanische Thunfischfischerei entscheidend beigetragen: Delfine können aus speziellen Netzkonstruktionen fliehen, ausgebildete Taucher helfen ihnen dabei.

Durch diese und andere Maßnahmen senkten die Fischer ihren Delfinbeifang weit unter die internationalen Grenzwerte zum Schutz der Delfinpopulation – und erhielten 2017 unter Auflagen das MSC-Zertifikat.

Spezialnetze verhindern, dass andere Meerestiere sich darin verfangen und lassen Delfinen eine Fluchtrinne. Taucher zeigen Ihnen den Weg ins Freie.

Spezialnetze verhindern, dass andere Meerestiere sich darin verfangen und lassen Delfinen eine Fluchtrinne. Taucher zeigen Ihnen den Weg ins Freie.


Willst Du noch andere nachhaltige Fischereien kennenlernen?

Dann wirf einen Blick in unsere Fischereigeschichten:

„Meiho - Thunfisch-Fischerei nach dem Tsunami“
„PNA Tuna - Kleine Inseln, große Möglichkeiten“

Thunfisch-Fangmethode Angelrute
Thunfisch-Fang mit Angelruten ist oft nachhaltig
Fischerei auf Thunfisch mit Ringwaden
Spezielle Rundhaken sollen nur Thunfische fangen
Gelbflossen-Thunfische schwimmen in manchen Regionen mit Delfinen

Und was kannst Du tun?

Mit Deiner bewussten Entscheidung im Supermarkt hilfst Du, Thunfischfang weltweit nachhaltiger zu machen.

Drei einfache Regeln

Stell beim Einkauf die richtigen Fragen!

Zum Beispiel: „Woher kommt mein Thunfisch, wie wurde er gefangen?“ Egal ob Du Dosen, Tiefkühlware oder frischen Fisch kaufst. Das MSC-Siegel bietet Dir hier klare und verlässliche Antworten. 

Schau nicht nur auf den Preis!

Thunfisch ist eine wertvolle Ressource. Und Nachhaltigkeit gibt es nicht umsonst. Sie erfordert Investitionen, Veränderungen und Kontrollen. Mit Deiner Entscheidung für MSC-zertifizierte Produkte setzt Du ein Zeichen.

Behalte den Überblick!

Die Flut der Siegel ist verwirrend. Informiere Dich, von wem und wofür ein Siegel verliehen wurde. Zum Teil zeichnen Hersteller und Händler die Produkte selbst aus, zum Teil sind Kriterien und Zertifizierungsprozesse nicht nachvollziehbar. Achte auf die Qualität des Siegels.


Bitte hilf uns mit Deinen bewussten Entscheidungen weiterhin, die kostbaren Thunfischbestände auch für die nächsten Generationen zu erhalten!

Du willst mehr?

Wir haben Hintergründe
und Rezepte für Dich!

Nachhaltige Rezepte mit Thunfisch Du hast nachhaltigen Thunfisch gekauft und möchten ihn gut zubereiten? Wir haben leckere Rezepte für Dich!

Was macht der MSC eigentlich? Erfahre mehr über den MSC, unsere Ziele und unsere Standards.

Der MSC-Thunfischbericht Das vollständige PDF Dokument: In diesem PDF findest Du alle Daten, Quellen und Hintergrundinformationen zum Thunfischbericht des MSC.